No risk no fun: Wenn Dummheit wehtut

Ob Zaunpfahl, Minigolfschläger oder Kehrblech – mein Gesicht ist zwar nicht magnetisch, strahlt jedoch schon immer eine enorme Anziehungskraft aus. Natürlich tut es meinen Freunden immer sehr leid, wenn sie rein zufällig ihr Sportgerät in meiner Visage bugsieren. Und natürlich ändern diese Zwischenfälle nichts an unserer Einstellung, durch dick und dünn zu gehen.

Ich habe wohl einfach das Talent, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zumindest wenn man auf Narben und ausgeschlagene Zähne steht. Mancher Rapper wäre sicher neidisch beim Anblick meines Augenbrauen-Cuts oder dem kleinen Mal neben meinem Mundwinkel, das mir zu einem „schelmischen Grinsen“ verhilft, wie ein Freund es gerne nennt.

Doch nicht nur fremdverschuldete Entstellungen zeichnen meinen Körper. Da ich Wert auf eine ausgewogene Ernährung lege, kommt es nicht selten dazu, dass mein Arm beim Herausnehmen der Speisen aus dem Ofen diesen oder das Backblech streift. Während ich wenig später die Pizza (oder den legga Backfisch, hmm) genieße, rollt dann schon mal die eine oder andere Träne die Wange herunter. Nicht zuletzt aus Ärger über meine eigene Dummheit. Dass ein Ofen in Benutzung zu erhöhten Temperaturen neigt, sollte ich mittlerweile eigentlich – wortwörtlich – verinnerlicht haben.

Seit fünf Jahren bin ich übrigens, die Begegnungen mit dem Backofen mal ausgenommen, unfallfrei. Doch die nächste Laterne folgt bestimmt.

Am Morgen

Ich rauche. Hatte das länger aufgegeben, aber jetzt brauche ich das. Das berauschende Gefühl, wenn das Nikotin langsam die Nerven betäubt. Ich spüre die Kälte auf den Wangen, doch meine Hände sind warm. Rauch steigt empor. Kringel fallen zu Boden. Meine Gedanken ziehen Kreise.

„Hast du mal Feuer?“, reißt mich ein großer Typ aus meinen Tagträumen. Ich krame in meiner Jackentasche und reiche ihm das weiße Feuerzeug, das ich darin auffinde. Er zündet sich seine Zigarette an und auch aus ihr steigt nun der Rauch dem grauen Himmel entgegen. Dieser versorgt uns schon seit Tagen unaufhörlich mit einem mal leichtem mal starkem Tröpfeln, das das Kopfsteinpflaster vor der Uni durchnässt und die Frage aufkommen lässt, wann wohl die erste Person hier ausrutschen und sich ein Bein brechen wird.

Ich schmunzle kurz über diesen makabren Einfall, versuche dann aber, die ankommenden Menschen auszublenden und mich wieder auf meine Gedanken zu konzentrieren. Ich denke an nichts Bestimmtes, nur daran, dass momentan alles den Umständen entsprechend ganz schön okay ist. Wobei „ganz schön okay“ eigentlich kein Ausdruck ist: Ich habe in letzter Zeit viele alte Freunde wiedergetroffen und neue kennengelernt. Es ist erstaunlich, wieviel sich ändert – und wieviel gleich bleibt.

Ich nehme den letzten Zug und kehre den anderen Nikotinsüchtigen den Rücken zu. Ich öffne die Tür. Während draußen alle gedankenverloren ihrer gesellschaftskonformen Sucht nachgehen, tummeln sich im Inneren der Uni Studenten auf warmen Sofas. Sie kichern, tuscheln – manche hängen müde in der Ecke und fragen sich vermutlich, ob sich das frühe Aufstehen gelohnt hat.