„Man denkt irgendwann wirklich, dass man nicht normal ist“

Meike,19, Schülerin hat seit über zehn Jahren mit Schuppenflechte zu kämpfen. Ich habe mit ihr über ihre Krankheit geredet. Wie sich diese äußert und was das Ganze mit Ausgrenzung zu tun hat, erfahrt ihr jetzt.

„Angefangen hat die Schuppenflechte bei mir im Kindesalter von 6/7 Jahren. Damals waren es nur komische rote Flecken an Händen und im Gesicht. Es hat sich aber schnell ausgebreitet, sodass es auch an den Fußsohlen und auf der Kopfhaut stark geschuppt hat. Es hat höllisch gejuckt, ich hab‘s immer wieder an allen Stellen aufgekratzt bis es offen war und geblutet hat. Teilweise wirklich so schlimm, dass Kratzen mit den Nägeln nichts mehr gebracht hat und ich mit der Innenseite der Schere gekratzt habe. So mit 12 ging es von den Armen bis in die Armbeuge mit wirklich schlimm geschuppter Haut. Das Schlimmste an der ganzen Geschichte waren zur eh schon bestehenden psychischen Belastung durchs Jucken, dass die Eltern ihren Kindern teilweise Kontaktverbot zu mir ausgesprochen haben aus Angst und Ekel, dass es ansteckend wäre. Ich wurde oft komisch angesehen und ignoriert. Mittlerweile habe ich die Krankheit soweit in den Griff bekommen, dass ich es nur noch bei kaltem Wetter an der Handinnenfläche leicht habe, die anderen Stellen sind komplett weg.

Ich bin nicht sofort zum Arzt gegangen, erst ein Jahr später circa als es überall rot wurde. Ich war während der ganzen Krankengeschichte bei ca. 35 Ärzten, der erste Arzt sowie circa 31 weitere haben das einfach als trockene Haut abgetan und gesagt ich solle es mit Handcreme aus der Drogerie eincremen. Erst mit ca. 14/15 haben es zwei Ärzte als Schuppenflechte erkannt und probiert es mit verschiedenen Mitteln wie Lasern zu bekämpfen – was aber nicht funktioniert hat.

Ich habe außerdem wahnsinnig viele homöopathische Mittel probiert. Was letztendlich geholfen hat weiß ich gar nicht, vor drei Jahren ca. wurde es auf einmal besser ohne dass ich irgendwas gemacht habe. Ich denke, dass das auch was mit der Psyche zu tun hat. Ich habe angefangen mich damit abzufinden und ab dem Punkt wurde es besser durch den ausbleibenden Stress.

Ich bin irgendwann nicht mehr zum Arzt gegangen und hab die Zeit anderweitig und sinnvoller genutzt. So ca. ein halbes Jahr nachdem der letzte Arztbesuch war wurde es besser und ging letztendlich komplett weg.

Durch das ständige Jucken habe ich mich oft selber eingeschränkt in Aktivitäten, habe weniger mit Freunden gemacht, weil ich mich komisch gefühlt hätte, mich vor ihnen die ganze Zeit zu kratzen. Dadurch habe ich eine Zeit lang relativ isoliert gelebt. Natürlich aber auch, weil viele Leute mich komisch angesehen haben und mich als „eklig“ betitelt haben und weil eben vielen nicht klar ist, dass Schuppenflechte nicht ansteckend ist und alle Angst davor hatten, sie würden das dann auch bekommen. Dass Kinder untereinander grausam sein können, weiß man ja. Was mich aber viel mehr getroffen hat, war, dass auch die Eltern ihren Kindern eingeredet haben, sie dürften nicht mit mir spielen. Dass es wirklich erwachsene Menschen gibt, die ihre Kinder zu sowas anstiften. Als Kind versteht man ja sowas nicht, da fängt man irgendwann an, das selbst zu glauben, dass etwas mit einem nicht stimmt.

Als Kind kann man nicht so gut zwischen Wahrheit und dummen Menschen – wie die Eltern, die ihren Kindern den Kontakt zu mir verboten haben –  differenzieren und denkt dann eben irgendwann wirklich, dass man nicht „normal“ sei und etwas mit einem nicht stimme. Dadurch hab ich mich teilweise sehr zurückgezogen, hatte nicht viele Freunde und hab als Kind oft nachts geweint. Das wurde aber alles besser als meine Familie (ich war 10) berufsbedingt meines Vaters in eine andere Stadt 600 km weg gezogen sind. Da hatte ich als ich aufs Gymnasium gegangen bin so ein kleines Schlüsselerlebnis was irgendwie alles besser gemacht hat. Ich habe mehrere Freunde gefunden und die Eltern von einer wollten ihr ebenfalls den Kontakt verbieten beziehungsweise haben immer schlecht bei ihr über mich geredet. In einer Schulpause hat diese Freundin dann meine Hände genommen, über die Schuppenflechte gestrichen und gesagt: ‚Es ist mir egal, was alle anderen deshalb über mich sagen. Ich habe dich trotzdem lieb und lasse mir das von niemandem verbieten.‘ Das ist dann halt das Gegenteil der grausamen Kinder und ein Satz und eine Geste, an die ich mich vermutlich immer erinnern werde.

Es ist wichtig, sich nicht beeinflussen zu lassen von anderen Leuten, die einen als „eklig“ oder dergleichen bezeichnen. Sich keinen psychischen Druck deswegen zu machen, sich einfach mit der Krankheit arrangieren und auch nicht zu tausend Ärzten zu rennen von denen die meisten eh nur Blödsinn reden. Wenn meine „Theorie“ stimmt, dann legt sich das irgendwann von selbst sobald man sich keinen Druck mehr macht. Trotz Schuppenflechte sind wir alle normale Menschen und nicht schlechter als andere.“

„Je schlechter es mir ging, desto aufgedrehter war ich nach außen.“

Nina, 20, ist angehende Auszubildende zur Kinderkrankenschwester. Sie ist ein offenes, lautes Mädchen – doch der Schein trügt: Sie hat schon einige Erfahrungen mit Angststörungen und Depressionen gemacht. Mir hat sie von ihrem Leben damit erzählt.

„Ich habe sehr oft geweint. Anscheinend grundlos. Habe mir immer furchtbar viele Sorgen gemacht. Mit 14 ging‘s mir dann schon schlecht in Richtung Depression, hatte immer wieder Episoden in denen ich sehr traurig war, antriebslos oder innerlich komplett leer.

Wann das mit den Ängsten angefangen hat kann ich nicht genau ausmachen, würde sagen das hat sich sehr schleichend entwickelt. Ich konnte zum Beispiel nicht im Dunkeln schlafen – auch mit 16 noch nicht. Dunkelheit allgemein hat mich in sehr große Angstzustände versetzt. Wenn man mich erschreckt hat, bekam ich einen Nervenzusammenbruch, weil diese Angst mich so zerfressen hat.

Später wurden diese Ängste mehr und mehr auf soziale Bereiche übertragen. Am schlimmsten war wohl die Verlustangst auf meinen ersten Freund bezogen, die hat in mir sehr extreme Verhaltensweisen ausgelöst. Ich konnte nie akzeptieren, wenn er Zeit mit wem anders als mir verbringen wollte. Ich habe ihn manipuliert ohne das wirklich zu wollen. Als ich dann so richtig depressiv war, war er meine einzige Bezugsperson und ich wurde abhängig von ihm.

Ansonsten hatte ich Angst vor so ziemlich allem: Terroranschlägen in Bus oder Bahn oder auf großen Veranstaltungen, tatsächlich auch vor Filmen, die auch nur im Geringsten gruselig sind oder zum Beispiel hatte ich immer Angst nachts vor meinem Fenster zu stehen – aus Angst jemand könnte mich von draußen erschießen.

Als ich in die Klinik kam habe ich ca. 1,5 Jahre Medikamente genommen. Die Altersgruppe dort war 11-18 und es gab alles mögliche: Essstörungen, Zwangsstörungen, Schulangst, Depression. Prinzipiell war meine Erfahrung sehr positiv.

Dadurch, dass mein Freund mich damals verlassen hat, habe ich gelernt, dass egal wie groß meine Ängste sind ich alles ‚überlebe‘. Angst im Dunkeln zum Beispiel hat sich auf ein normales Maß verringert, was mir ein normaleres Leben ermöglicht.

Wenn noch was da ist eher im sozialen Bereich. Habe letztens lieber mein Mittagessen ungewürzt gegessen als in den Aufenthaltsraum zu gehen und dort vor allen nach Salz zu suchen. Wie seltsam sich das anhört, wenn man bedenkt, dass ich seit ich 5 bin Theater gespielt habe. Auch sonst bin ich nach außen total der extrovertierte, laute Mensch. Je schlechter es mir ging desto aufgedrehter war ich nach außen. War sehr schwer zu lernen das fallen zu lassen vor jemandem außer meinem Freund.

Meine beste Freundin ist super super toll und hat immer Verständnis gezeigt. Für meine Mutter war es nicht leicht, weil sie oft hilflos war und sich dementsprechend ‚falsch‘ verhalten hat, was zu Konflikten geführt hat. Für meinen Papa war‘s auch nicht leicht, weil er das erste Mal wirklich damit konfrontiert wurde und es ihm sehr weh getan hat zu erfahren, dass ich so lange gelitten habe ohne dass er es wusste.

Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen. Sich selbst Ziele zu stecken, auch wenn sie noch so klein sind. Und sich belohnen, wenn man sie erreicht. Sich um sich selbst zu kümmern, sich selbst Gutes tun – jeden Tag etwas.“

„Man weiß bis heute nicht, was für die Krankheit verantwortlich ist.“

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Sarah, 26, ausgebildete Restaurantfachfrau, hat seit über einem Jahr die Krankheit Morbus Crohn. Was das überhaupt ist? Sie hat mich aufgeklärt.

„Es fing letztes Jahr im Januar an, dass ich extreme Schmerzen beim Toilettengang hatte. Ich bin ungefähr 13 Mal am Tag zur Toilette. Dadurch nahm ich in den darauffolgenden Monaten 12 Kilo ab.

Beim Blutabnehmen wurde dann auch festgestellt, dass mir sämtliche Nährstoffe fehlten. Eisen, Magnesium, Kalium, Calcium und viele Vitamine waren nicht in voller Stärke da. Also nehme ich täglich Medikamente, die meinen Haushalt wieder ausgleichen sollen. Dazu nehme ich Medikamente, die einen sogenannten Schub unterdrücken sollen beziehungsweise die Entzündung hemmen, wenn eine besteht.

Ein Schub kann zwei Wochen oder zwei Monate dauern je nachdem wie stark der Darm betroffen ist. Er äußert sich durch Symptome wie zum Beispiel Durchfall. Dann sind bestimmte Sequenzen des Darms entzündet. Morbus Crohn kann alle Teile des Magen-Darmtraktes befallen. Ich gehöre allerdings zu den 2% der Erkrankten, bei denen auch die Speiseröhre schon mal befallen war.

Ein Schub wird grundsätzlich immer mit Cortison behandelt, wovon ich immer ein rundes Gesicht bekomme. Ich merke generell oft die Nebenwirkungen von meinen Medikamenten – vor allem durch Gliederschmerzen in den Beinen.

Ich habe meine Ernährung komplett umgestellt. Ich kann zum Beispiel nichts mit Kohlensäure trinken, da ich sonst spätestens nach einer halben Stunde zur Toilette muss. Generell aufblähendes Gemüse muss ich weglassen oder scharfe Sachen.

Ich bin außerdem oft schlapp, aber Depressionen habe ich bisher noch keine. Ängste habe ich aber definitiv zwischendurch immer mal: Wie geht die berufliche Laufbahn weiter? Muss ich irgendwann operiert werden? Wie verläuft eine Schwangerschaft?

Manche Leute reagieren irritiert, weil ich mich manchmal vor Krämpfen in der Öffentlichkeit krümme oder ganz schnell Richtung Toilette rase. Für die meisten ist diese Krankheit etwas komplett Neues. Sie hat so unglaublich viele Facetten, die man nicht erwartet.

Laut Ärzten war der Stress für meinen ersten Schub verantwortlich. Meine Mutter hatte nach der Diagnose in ihrer Familie mal nachgeforscht aber nichts gefunden. Man weiß bis heute nicht, was für Morbus Crohn tatsächlich verantwortlich ist.

Geht regelmäßig zum Arzt und lasst den Kopf nicht hängen!“


Aktuell leiden in Deutschland rund 300.000 Menschen an Morbus Crohn und die Zahl der Neuerkrankungen steigt stetig.
Meist erkranken junge Erwachsene zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr.
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Intelligenz, Tarnung & Fruchtbarkeit: Krafttier Fuchs

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Wie einige von euch bestimmt bereits gemerkt haben bin ich ein bisschen verrückt, was das Thema Tattoos und Spiritualität angeht. Kommt dann auch noch beides zusammen – ohje.

Heute berichte ich von meinem nächsten Tattoo. Bis jetzt ist dieses nur geplant und noch nicht verwirklicht. Leider.

Ich habe einfach noch keinen passenden Tattookünstler gefunden. Und ich gebe zu: auch das Geld muss erstmal da sein. Außerdem bin ich mir noch über die Körperstelle unsicher.

Doch nun zum eigentlichen Thema: warum ein Fuchs?

In meinem Leben läuft dieses Tier mir immer wieder über den Weg.
Leider nicht wortwörtlich, aber als Symbol auf jeden Fall.
Es ziert zwei meiner Rucksäcke, ist mein Ü-Ei-Maskottchen im Büro und ich trage ein Bild mit einem zwinkernden Fuchs in meinem Terminplaner.

Doch nicht allein deswegen finde ich dieses Tier so faszinierend.

Ich habe mich mal im Internet auf diversen Seiten schlau gemacht und bin hier auf Infos zum Thema „Krafttiere“ gestoßen. Ich habe den Inhalt der Seite einmal für euch zusammengefasst:

Der Fuchs ist gleichzeitig Anpassungs- sowie Überlebenskünstler.

Einen Punkt den wahrscheinlich jeder kennt: Füchse stehen für Schlauheit und Intelligenz. Als Krafttier sollen sie diese fördern.
Ein weiterer Punkt ist die gute Tarnung bei der Jagd. Auf den Menschen übertragen soll es uns daran erinnern, dass Schweigen auch manchmal Gold sein kann und man manche Dinge besser erst einmal geheim halten sollte.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Fruchtbarkeit, für die der Fuchs steht. In manchen Ländern gilt der Fuchs sogar statt dem Osterhasen als Überbringer der Eier. In Japan ist er auch als Gestaltenwanderer bekannt – so wird er oft als wunderschöne junge Frau dargestellt, die die Eigenschaften Geschmeidigkeit und Verführungskunst verkörpert.
Im Verführen bin ich natürlich Profi. Das ist auch der einzige Grund für das Tattoo.
Nicht.
Aber nicht nur positive Aspekte werden mit dem Fuchs verbunden: er wird auch als „Partner des Teufels“ sowie als arglistig bezeichnet.
Doch das ist bei meiner Tattoowahl wohl eher kein Kriterium.

Man sieht: Nicht alle dieser Punkte haben mit meiner Auswahl zu tun. Die Fruchtbarkeit zum Beispiel ist zwar ein netter Side-Effect, beschäftigt mich momentan aber eher nicht so.

 


Kennt ihr Tattookünstler, die in diesem Stil tätowieren? Also Aquarell und feine Linien? Schreibt mir gerne!


 

Universe – was das für mich bedeutet

Ja, ich habe den Schriftzug „Universe“ auf meiner Hüfte stehen. Und das für immer.
Einige werden sich jetzt fragen: Wieso?
In diesem Beitrag versuche ich zu erklären, was dieses kleine Wörtchen für mich bedeutet und warum es mir sogar so wichtig ist, dass es einen Platz unter meiner Haut gefunden hat.

Zuerst ein wenig zur allgemeinen Bedeutung. Wikipedia sagt:

Das Universum (von lateinisch universus „gesamt“), auch der Kosmos oder das Weltall genannt, ist die Gesamtheit von Raum, Zeit und aller Materie und Energie darin.

Es ist also nicht nur eine Bezeichnung für Sonne, Mond und Sterne, sondern für: alles!

Und da alles ziemlich viel ist und mehr, als wir uns tatsächlich vorstellen können, ist dieser Begriff für mich so eindrucksvoll. Er steht für mich also für unsere Existenz, unsere Gefühle, unser Handeln, … Aber auch für die wunderschöne Erde, auf der wir leben, sowie das Wunder, dass es all das überhaupt gibt.

Doch was macht da eigentlich diese Wellewave? Sie hat für mich mehrere Bedeutungen.

Zum einen steht sie für mein Sternzeichen Wassermann. Ich bin etwas astrologisch veranlagt, lese also hin und wieder mein Horoskop und glaube von Zeit zu Zeit sogar was da drinnen steht. Und ich bin der Meinung, dass ich ein klassischer Vertreter dieses Sternzeichens bin. Kreativ, freiheitsliebend, mitteilungsfreudig – all das passt wie die Faust auf’s Auge.

Zum anderen verkörpert sie meine Liebe zu Wasser. Hört sich doof an, ist aber so. Ich liebe so ziemlich jede Wasserquelle, sei es im Schwimmbad, ein Sommerregen oder – mein absoluter Favorite – das Meer. Schon seit ich klein bin zieht es mich dorthin und egal wie arschkalt das Wasser sein mag, ich könnte stundenlang am Strand stehen und dem Wellenrauschen zuhören und die Brandung beobachten.

Warum sie zu dem „Universe“-Schriftzug passt? Wasser ist der Ursprung allen Lebens. Ohne Wasser würde es kein Lebewesen auf dieser Erde geben. Es ist also genauso essentiell wie das Universum, in dem wir alle leben.

Ich liebe mein Tattoo und würde es mir immer wieder stechen lassen. Klar, tat es weh und für das Geld hätte man auch andere Dinge tun können, aber es hält ein Leben lang und erinnert mich immer wieder daran, wie schön es doch ist, auf dieser Erde zu leben.

 


Wen interessiert, in welchem Tattoostudio und bei welchem Künstler ich war oder wie viel es letzten Endes gekostet hat, kann mir gerne hier eine Mail schreiben.


 

#1

Neue Schätze! Als ich letzte Woche bei TK Maxx war, durften die Jeans mit Nieten und die Lackboots von Windsor Smith mit nach Hause kommen. Beide in Kombi mit meiner bereits geshoppten Lederjacke bilden ein für mich perfektes All-Black-Outfit, in dem man sich wohlfühlen und trotz stolzen ein-Meter-sechzig etwas größer wirken kann.

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Leather Jacket, H&M
Jeans, Monday Premium
Boots, Windsor Smith

 

W O R K

Wie einige bereits wissen, mache ich momentan ein Praktikum bei Schoener-Wohnen.de. Neben typischen Praktikantentätigkeiten wie Kaffeekochen und Drucken darf ich hin und wieder auch die Tasche meiner Chefin tragen. Dann fühl‘ ich mich geehrt.

Spaß beiseite.

Das Praktikum ist echt super und ich habe schon viel gelernt. Momentan bin ich an Outdoor-Themen dran (diese Wortkombi kann ich nicht mehr hören und lesen) und darf Bilder aussuchen und Texte schreiben.

Das Highlight bis jetzt: meine eigene Fotostrecke. Zu meinem Vergnügen besteht sie komplett aus Ikea-Artikeln. So hat das Texten besonders viel Spaß gemacht. Was dabei rausgekommen ist, könnt ihr hier lesen:

4 Monate. 1 Leben.

Der Friedhof liegt gegenüber. Friedlich. Ruhig.

Irgendwie verrückt. Oder?

Sterblichkeit ist das Stichwort.

Doch was liegt eigentlich zwischen Geburt und Tod?

Dieser Moment, wenn du einfach fällst.

Alles um dich herum Zeitlupe ist.

Nur springen. Immer wieder springen. Und niemals landen.

 

Ich wache auf. Um mich herum Dunkelheit.

Habe ich es geschafft?

Die Ohren wie in Watte. Was ist das hier?

Bin ich etwa auf der anderen Seite?

Monotonie. Sehe nichts und doch alles.

Wenn das das Ende des Tunnels ist, habe ich mir doch etwas mehr erhofft.

 

Das Licht geht an.

Wo zur Hölle bin ich?

Ich packe mir an den Kopf. Dieser stechende Schmerz will einfach kein Ende nehmen.

Plötzlich ertönt wieder dieses helle Piepen. Ein Geräusch, das so vertraut erscheint. Leise und doch so nah.

Alles um mich herum weiß. Blendend. Man könnte fast sagen rein.

Nichts außer mir und dem Piepen.

Schwerelosigkeit.

 

Sie sagen man muss stark sein. Darf nicht aufgeben. Muss weitermachen.

Leicht gesagt – nicht so leicht getan.

Was hilft einem hier drinnen noch am Überleben?

Ist nicht alles umsonst, wenn man erstmal drinnen ist?

Dieser Druck. Immer da.

Muss es schaffen. Auf zur Normalität.

Zum Lieben, Lachen.

 

Monat 1, Monat 2, Monat 3.

So langsam muss es doch werden.

Seh‘ keinen Ausweg mehr.

Das Ziel immer weiter weg.

Breathless.

 

Schmerz. Immer wieder dieses Stechen.

Das kann doch nicht wahr sein.

Ist jetzt alles vorbei oder fängt es gerade erst an.

Ich will mich verstecken.

Will mich wegzaubern. Irgendwie.

Bin den Platz in dieser Welt nicht wert.

Versager hoch zehn.

 

Monat 4.

Jetzt muss es klappen.

Will endlich raus. Wieder springen. Schweben. Fliegen.

Aber nur Bauchklatscher. Nur Nackenschlag. Knock-Out.

Love kills slowly.

Slowly aber zuverlässig.

 

Schmetterlinge.

Oder sollte ich sagen: Messerschlacht.

So fühlt es sich an. Tief drinnen.

Hinter der Fassade.

Unter der Oberfläche.

Deep.

 

Ich will schreien, einfach nur schreien.

Endlich loslassen, was mich zurückhält.

Die Zeit zurückdrehen, es ungeschehen machen.

Doch das geht nicht.

Ausweglosigkeit.

 

Dieser Schmerz nimmt kein Ende.

Genauso wie meine Vergangenheit.

Es ist immer da.

Nichts mehr unbekümmert.

Alles mit diesem Hintergedanken.

Endlich schwimmen zu können.

 

Will weg. Einfach nur weg von hier.

Wohin ist egal.

Hauptsache vergessen, nie wieder landen und neu anfangen.

Was ist überhaupt Realität?

Ist nicht alles irgendwie ein riesen Theater?

Wir, die Puppen in einem großen Spiel.

Denken, wir könnten Entscheidungen treffen, sind aber eigentlich nur das Spielzeug des Universums.

Alles ist vorbestimmt, nichts der reine Zufall.

Hätte von vornherein wissen sollen, dass du nicht bleibst.

Lonely.

 

Tavor.

Nimm die Pillen.

Schlucke sie.

Eins, zwei, drei, vier.

Würde es am liebsten auskotzen.

Dieses Zeug kommt vom Teufel höchstpersönlich.

Macht alles vergessen.

Mal wieder die Welt in Watte.

 

Sie fragen wie es mir geht.

Ob ich schon irgendwelche Veränderungen wahrgenommen habe.

Doch es fühlt sich immer noch an wie ein Stein in der Brust.

 

Trist. Taub.

Taumelnd.

 

Zweisamkeit.

Wunschdenken.

Graue Wolken.

Schon vorbei.

„Ich habe nicht schlafen können, überhaupt nicht tagelang.“

Julia*, 25, Lagerhelferin hat eine bipolare Störung und war deswegen schon oft in einer Psychiatrie. Mir hat sie erzählt, was diese Krankheit überhaupt ist und wie sie ihren Alltag damit meistert.

„Es hat sehr lange gedauert bis ich mit meiner Krankheit klarkam. Vielleicht sogar ein Jahr oder so bis ich verstanden habe, dass es ernst ist, dass es gut behandelbar ist. Ich habe das erst überhaupt nicht akzeptiert oder so wirklich ernstgenommen

Erst fing das an mit so aufgeregt und nervös sein, dass ich was falsch mache, mich nicht genug ausgekannt habe mit meinem Baby. Und dann habe ich angefangen zu weinen und war so bisschen aggressiv, wenn er geweint hat. Ich konnte nicht mehr reden, ich hatte Todesangst vor meinem Mann, ich habe nicht schlafen können, überhaupt nicht tagelang. Was ich habe, bipolar, sind eben diese Stimmungsschwankungen.

Ich kann diese Diagnose an sich nicht so gut beschreiben. Aber man sagt halt es ist, wenn man gleichzeitig manisch und depressiv ist. Aber manisch an sich kann ich überhaupt nicht so gut beschreiben, das ist so, dass ich anscheinend wirre Sachen sage und so wahnsinnige Gedanken habe. Oder das schlimmste, das krasseste, ist, wenn man dann so richtig wahnsinnig wie high ist, so ein Adrenalingefühl hat. Das ist das manische und das ist das gefährlichste. Wenn du depressiv bist und nur daliegst und sagst du hast keinen Bock, dann hast du Zeit verschwendet. Aber da passiert nicht viel, das ist es eben.

Was sehr oft ist mit Depressionen ist, dass sehr viele Leute sagen `Lieg nicht rum, mach doch mal. Natürlich geht es dir schlecht, wenn du nur dahockst. ´ Aber diese Leute waren vielleicht nie depressiv und erzählen, wie einfach es ist glücklich zu werden. Und sagen dann, man ist irgendwie selber schuld daran, wenn man depressiv oder traurig ist.

Ich war schon oft in einer Psychiatrie. Der allererste Aufenthalt hat mir sehr geholfen, da habe ich viel geschlafen. Da habe ich sehr viele Nebenwirkungen gehabt von den Tabletten. Also ist wahrscheinlich gut, dass ich da im Krankenhaus war um das zu beobachten. Das waren auch sehr anstrengende und sehr schlechte Nebenwirkungen. Ich habe die Tabletten nicht vertragen. Ich habe vielleicht fünf oder sechs verschiedene genommen und immer wieder gewechselt. Ich konnte nur pennen, ich habe viel zugenommen.

Der allerletzte Aufenthalt hat mir sehr geholfen, weil ich sehr viel Stress hatte mit meinem Ex zuhause. Ich musste weg, ich hatte Angst vor ihm. Ich hatte auch Schlafstörungen. Und das war einfach so Time-Out von dem Stress zuhause.

Ich muss wirklich aufpassen, wie ich damit umgehe. Mich ausruhen, gucken, dass ich viel schlafe.“

*Name von der Redaktion geändert

„Das ist teilweise wirklich wie im Irrenhaus“

Lea*, 25, Geschichtsstudentin ist manisch-depressiv. Sie erzählt mir von ihrer Krankheit und ihren Erfahrungen auf einer geschlossenen Station.

„Ich war schon zweimal in einer Psychiatrie. Einmal wegen einer Depression, und einmal wegen dem Gegenteil einer Depression, einer Manie. Man ist nicht mehr man selbst. Man ist im wahrsten Sinne des Wortes verrückt oder nicht mehr zurechnungsfähig. Das ist ja das tolle bei dem Krankheitsbild, dass man eben wirklich von einem Extrem in das andere gehen kann. Von gesteigertem Selbstbewusstsein und einer Art Höhenflug wirklich bis ganz nach unten. Der Tod ist dann eigentlich so der einzige Ausweg, den man sich die ganze Zeit macht, dass das alles ein Ende hat und jeder Tag ist irgendwie schlimm und gleich und grau.

Ich muss mit der Gewissheit leben, dass ich eine Krankheit habe, die habe ich mein ganzes Leben. Und ich muss wahrscheinlich immer Medikamente nehmen, immer untersucht werden. Ich muss mit der Möglichkeit rechnen, dass es nochmal passiert. Früher hatte ich mich dafür geschämt, das war ein Kapitel, das wollte ich möglichst schnell beerdigen, als ob es nie passiert wäre. Und heutzutage stehe ich dazu und gehe auch relativ offen damit um.

Die ganz schweren Fälle, so wie ich auch einer war am Anfang, da wurde ich in einen ganz kleinen Raum eingesperrt, mit sagen wir mal 6m². Das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen wie das ist. Das ist so eine Glastür und die ist dann zu, die geht dann einfach nicht auf, egal was man macht. Und da fühlt man sich wirklich wie ein ganz gefährliches Tier oder wie der schwerste Verbrecher der Welt. Man wird auch mit Kameras überwacht. Man weiß also, dass jede Bewegung gesehen werden kann. Privatsphäre minus zehn.

Und ansonsten war ich auch über eine Woche oder zwei Wochen im Wachsaal und das ist eben ein Raum mit ungefähr acht Betten, das kann aber auch erweitert werden, wenn Bedarf ist, auf bis zu fünfzehn Betten. Und da hat man überhaupt gar keinen Ausgang. Da kann man teilweise Mal in den Innenhofbereich, aber ansonsten ist man wirklich 24 Stunden mit acht Leuten auf dem engsten Raum.

Man fühlt sich schon eingesperrt, wie ein Tier im Käfig. Vor allem im Innenhof, wo man den Zaun sieht, durch die Gitterstäbe guckt. Und auch vor den Fenstern ist so eine Art Gitter, dass man nicht rausschlüpfen kann. Fühlt sich schon an wie im Gefängnis. Es gibt auch eine halbe oder dreiviertel Stunde lang am Tag, wo die Zimmer abgeschlossen sind, da kann man gar nicht auf die Zimmer, da ist man im Gang mit den anderen Patienten. Das ist teilweise wirklich wie im Irrenhaus. Man kriegt extrem viel mit und man ist auch belastet dadurch.

Man hat keine Entscheidungsgewalt mehr über irgendetwas. Man hat seine Selbstständigkeit ein Stück weit komplett verlernt, weil man sie entzogen bekommen hat. Aber im Nachhinein denke ich mir auch, das war vielleicht die einzige Möglichkeit so.

Vielmals will man einfach nichts mit den Leuten zu tun haben. Psychische Krankheiten sind nicht ansteckend, aber trotzdem wird wenig in den Medien darüber berichtet.

Die einzigen sehr bekannten Volkskrankheiten Depression und Burnout, darüber wird immer wieder berichtet, das sind vielleicht so Themen, da geht es nicht an das Eingemachte, das sind irgendwie so Larifari-Krankheiten. Aber sowas wie `Was ist eine Manie? Oder, was ist eine Psychose? Oder Schizophrenie? ´ Das sind Sachen, die werden nicht richtig thematisiert in den Medien, vielleicht auch weil sie wirklich Hardcore-Themen sind, die vielleicht auch erschreckend sein können. Aber wenn man nicht aufklärt, dann wird es nie aufhören, dass die Leute ausgegrenzt werden, die psychische Krankheiten haben. Es wird immer ein Tabuthema bleiben und Leute, die psychische Krankheiten haben, werden dadurch immer gebrandmarkt sein, weil es irgendwie anormal ist.

Auch in der Arbeitswelt akzeptiert man das oft nicht und stigmatisiert dort die Leute und da müsste einfach generell in der Öffentlichkeit besser darüber aufgeklärt werden – vielleicht auch schon im Schulunterricht.“

*Name von der Redaktion geändert