„Es ist nicht mehr als ein einfacher Nebenjob“ | 11 Fragen an eine Ex-Prostituierte

Laura*, 20, angehende Medizinstudentin hat mit 16 angefangen, Prostitution als Selbstverletzung zu betreiben. Wie sie dazu kam und was sie dazu gebracht hat aufzuhören.

1. Wie hast du dich selbst genannt?
„Ich habe mich selbst als eine einfache Prostituierte gesehen, weil es ja nicht mehr als das war. Ein einfacher Nebenjob.“

2. Wie kamst du zur Prostitution?
„Ich wurde in meiner vergangenen Beziehung betrogen und dann von einem weiteren Mann, den ich daten wollte, emotional und sexuell missbraucht. Zur Prostitution kam ich dann eher später. Ich habe als ich jung war ein emotionales Trauma erlitten und habe versucht, es mit viel Sex zu kompensieren, am besten mit verschiedenen Männern. Nach einer Weile kam mir die Idee, Geld dafür zu nehmen- war eine Win- Win Situation.“

3. Wie hat das Ganze angefangen – gab es bestimmte Plattformen?
„Ich habe mir damals Videos über Knuddels angeguckt und mir ist sofort aufgefallen was für gestörte Leute da sind. Dort habe ich einen ersten Sugar Daddy gehabt, aber sofort abgeschossen, weil er wirklich zu gestört war. Ich wollte weiter das Geld haben und bin zur Datingapp Badoo gewechselt. Da wurde mir Geld geboten und so hat es angefangen.“

4. Was waren für dich die Nachteile?
„Man war vielen Gefahren ausgesetzt. Man zerstört sich damit selbst, weil man damit konfrontiert wird, dass man nicht mehr ist als ein Fick. Es war auch so verlockend gut fürs Ego teilweise, dass es schon fast süchtig gemacht hat. Die Männer sind mir hinterhergerannt und haben mir immer Nachrichten geschrieben auf meinem Zweithandy – wie sie gerade an mich denken, sich in mich verliebt haben und auch Beziehungen für mich aufgeben wollten. Auch nach der Prostitution fiel es mir schwer, wieder Männern zu vertrauen und zu glauben, dass sie mich nicht nur für das Eine wollen.“

5. Kamst du einmal in eine Gefahrensituation?
„Ich wusste immer, ob ich Männern vertrauen kann oder nicht, wenn ich mit ihnen geschrieben habe. Es war auch nie ein spontanes Treffen, sondern immer mit wochenlangen Gesprächen im Voraus. Einmal war ich nur in einer komischen Situation, wo ich an einen Drogenabhängigen gekommen bin, der sich mir als 13-Jähriger vorgestellt hat und mich ungern gehen lassen wollte. Habe mich aber doch durchgesetzt. Glück gehabt würde ich sagen.“

6. Gab es Kunden, die ohne Verhütung Sex mit dir haben wollten? Und wie war es, wenn du deine Tage bekommen hast?
„Immer Kondome! Wenn jemand unbedingt ohne wollte war ich sofort weg. Ich habe in der Zeit, in der ich meine Tage hatte, nicht gearbeitet. Es sei denn, jemand hat WIRKLICH darauf bestanden, mich zu sehen und wollte das auch in Kauf nehmen.“

7. Hast du das regelmäßig gemacht und wie viel hast du verlangt?
„Ja, 2x in der Woche mindestens. Ich hatte Männer, die mich regelmäßig beschenkt haben mit Dingen im Wert von 50€-70€. Normale Preise waren 50€ die Stunde. Ab 50 habe ich 20€ mehr berechnet.“

8. Welche Folgen hatte dieser Job für dich?
„Ich habe ein Trauma von einem narzisstischen Verhältnis davongetragen und wollte mich endgültig von Liebe distanzieren. Das hat auch geklappt, weil Männer für mich irgendwann nur Schweine waren, die untreu sind. Ich habe irgendwann geglaubt, dass mich jeder Mann nur für Sex will und habe bis heute noch massive Vertrauensprobleme. Ich war irgendwann emotional total kalt und habe dann wiederum angefangen Drogen zu konsumieren. Nach einer Therapie geht es mir jetzt besser und ich bin seit einem Jahr clean. Ich lerne langsam wieder Vertrauen aufzubauen und habe jetzt auch einen Freund.“

9. Weiß jemand aus deinem Bekanntenkreis davon?
„Niemand weiß Bescheid. Hab es jedoch mal besoffen ausgeplaudert, aber es dann nur als besoffenes Gebrabbel abgestempelt. Meinem Freund werde ich das nie erzählen. Ich möchte meine Vergangenheit nicht nochmal leben und alles erklären und aufwirbeln. Mein Freund weiß von meinem Trauma. Das war’s, mehr muss er nicht wissen. Die Prostitution war aber das, was mich beziehungsfähig gemacht hat. Die Vergangenheit muss man nicht immer aufwirbeln.“

10. Wieso hast du aufgehört?
„Ich habe eine Beziehung angefangen und für mich stehen Loyalität und Treue an oberster Stelle. Bin seit einem Jahr mit meinem Mann zusammen. Ich muss gestehen, es war sehr schwer für mich anfangs und es gab gedankliche Rückfälle, heute immer noch, aber es wird alles langsam besser.“

11. Wie stehst du rückblickend zu der Zeit als Prostituierte?
„Die Prostitution hat mir sehr geholfen mein Selbstwertgefühl aufzubauen. Früher war ich sehr überemotional und habe zu schnell vertraut, konnte Männer gar nicht durchschauen. Heutzutage habe ich mich gut im Griff, weiß ab wann ich vertrauen soll und kann schon beim Sehen einschätzen mit wem ich da wirklich rede. Ich habe mich selbst begehrt gefühlt, wenn ich daran denke was ich manchmal für Nachrichten bekommen habe. An dem Selbstwertgefühl kann niemand was zerstören.“

*Name geändert

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